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Freitag

Ich hab‘s geschafft! Nein, nicht mit dem sechsten Brötchen, ich hab fünf. Sondern ich bin heute der Erste, der angeschlossen wurde im Raum. Der neue Taxifahrer kommt meist ne viertel Stunde eher und so bin ich auch nicht mehr der Letzte, der hier eintrifft. Deshalb hatte ich heute das Glück, als Erster angeschlossen zu werden und nicht wie üblich als Letzter. Ein  Vorteil? Nicht wirklich. Außer, dass ich die Stecherei eher hinter mir habe. 

Die Geschichte mit den Nadeln... Das ist ein einschneidender (oder besser: einstechender) Moment, von dem sich wohl jeder Dialytiker wünscht, er müsse nicht sein. Es ist ja nicht nur der Moment, wo die Nadeln durch Haut, Fleisch, Nerven und Venenwand den Weg zum Blut finden, sondern die Dinger bleiben dann ja fünf Stunden drin. Ist es dir schon mal passiert, dass du dir einen großen Holzspan in den Arm gezogen hast? Tut weh, gell? Und nun versuche mal, den Span drin zu lassen und dieses unangenehme Schmerzgefühl fünf Stunden auszuhalten. „Aua! Ich hab mir ´n Span eingezogen! Okay, geh ich erstmal was Essen und erledige noch paar Sachen. Den Span zieh ich mir dann Nachmittag raus...“ Blöd, wer so handeln würde. Außer wir Dialytiker sind bei diesem Gedanken nicht blöd. Für uns ist es stinknormal. Hier wird es mit Sicherheit noch innovative Lösungen geben und es braucht nur helle Köpfe, diese zu entdecken. Ich setze meine Hoffnung auf den Design-Student und sein Team und andere Leute, denen das Wohl von Dialysepatienten am Herzen liegt.

 

Ich hatte am Mittwoch noch ein kurzes Gespräch mit einer Mitpatientin. Sie ist seit ca. vier Wochen von 4 auf 5 Stunden Behandlungszeit hochgesetzt worden. Und sie meinte, am Anfang war das zwar anstrengender, doch mittlerweile spürt sie eine zunehmende Verbesserung und sie fühlt sich sichtlich besser. Sie könne jetzt wieder „auf Bäume klettern“ ( mit über 65... haha). Und sie hat das Gefühl, dass nun nach der Dialyse endlich „alle Viecher raus sind“. Okay, ich war bis jetzt noch in der ersten der beschriebenen Phasen und wieder so müde und erschöpft wie zu Anfangszeiten im Oktober/November. Aber... Ich liebe solche „Aber“. Aber ich kann auch eine Verbesserung meines Befindens verzeichnen. Mittwoch nach Hause, Mittag essen, paar Sachen erledigen und dann ab in den Garten und bis Donnerstag Abend bleiben. Hat funktioniert. Nur auf einen Baum bin ich noch nicht geklettert. Wäre schön, wenn es so bleiben würde. Mit dem Befinden, nicht mit dem Klettern, denn irgendwann ist auch das dran (zum Schrecken meiner Frau), denn ich muss da oben einiges erledigen.

Aber nun sind erst mal die Brötchen und der Kaffee dran. Sind momentan die wichtigeren Dinge. Und die Nadeln im Arm dabei sind auszuhalten, noch vier Stunden...

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