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Jackpot geknackt!

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Feb 11 2019

Montag

 

Auf YouTube gibt es einen Bericht über ein junges Paar, dass fünf Jahre zuvor den Jackpot mit 60 Millionen Pfund geknackt hatte. Was war nach fünf Jahren geblieben? Wie lebte dasPaar? Wie glücklich war es (noch)?

Fazit: Sie hatten zwar Haus, vier Luxusautos, ne grandiose Hochzeit und alles was man sich denken und wünschen kann, aber die zwischenmenschlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen waren alles andere als glücklich. Und von dem Geld war auch nicht mehr allzuviel übrig. Ist das Sinn und Ziel des Lebens?

Es gibt Situationen, wo es völlig egal ist, ob du 60 oder nur 5 Millionen auf dem Konto hast oder 20.000 Euro Schulden. Da wünschst du dir einfach nur, dass die Situation sich ändert, du nach einer Hustenattacke wieder Luft bekommst oder einfach nur die Schmerzen aufhören. Sehr oft hängt das Leben an einem Faden. Nicht unbedingt am seidenen, aber ziemlich dünn ist dieser Strick schon. Beispiele? Du stehst morgens auf, bist spät dran, trinkst deinen Kaffee und gehst dieTreppe runter, rutschst aus dem Pantoffel und den Rest der Treppe bist du schneller unten als erwartet. Schulter verrenkt oder Arm gebrochen. Du kommst gut unten an? Bückst dich zum Schuhe binden und plötzlich hat die Hexe dich erwischt und du kommst nicht mehr hoch. Der Arzt muss kommen und Dir ne Spritze verpassen. Schuhe zu? Du trittst vor die Haustür und dir reißt es die Hufe hoch. Eisregen, obwohl du am Thermometer plus zwei Grad hattest. Du kommst sehr unsanft auf und spürst plötzlich deine Beine nicht mehr. Du schaffst es bis zum Auto? Steigst ein, gurtest dich an, fährst auf die Landstraße, passt die Geschwindigkeit den Straßenverhältnissen an, fährst vorbildlich rechts. Und dann kommt dir in einer Linkskurve ein Raser entgegen, der die Kurve nicht kriegt. Du hast Glück, die Feuerwehr kann dich mit schwerem Gerät aus dem Schrott schneiden. Du schaffst es bis auf die Autobahn? Nach drei Kilometern ein Stau. Du bremst rechtzeitig und kommst locker hinter dem LKW zum Stehen. Nur der LKW-Fahrer hinter dir übersieht den Stau und schiebt dich mit 80 unter den Hänger des Vordermanns. In 99,99% dieser Fälle endet das tödlich. Für alle PKW-Insassen. Du schaffst es bis in die Firma, in dein Büro oder die Werkhalle? Dann hattest du in dieser einen Stunde am Morgen schon großes Glück. Ich behaupte, das sind die wahren Jackpot-Knacker. Wenn du dann auch nach 15 Stunden bis zum Zubettgehen noch gesund und heil bist. Und das jeden Tag. Unter dem LKW zerquetscht zu sein oder querschnittsgelähmt auf der Straße zu liegen - du oder deine Hinterbliebenen würden sofort alle 60 Millionen geben, um die kritische Zeit auch nur um fünf Minuten zurückdrehen zu können.

 

Ich habe so einen Jackpot auch mal geknackt. Ich war etwa 5 oder 6 Jahre. Hatte einen hölzernen, luftbereiften Tretroller mit Fußbremse hinten. Eines Tages hatte ich den Impuls, einem gerade losfahrenden LKW hinterher zu fahren. Robur Garant, Höchstgeschwindigkeit 80 km/h. Es ging leicht bergab. Ich war etwa 4-5 Meter hinter dem LKW und der Sog hat wohl mit dazu beigetragen, dass ich bei seiner Geschwindigkeit mithalten konnte. Wie schnell fährt so ein LKW bergab und nachdem er die Ortschaft verlassen hat? Auf einer wenig befahrenen Landstraße, alle 15-20 Meter ein dicker Straßenbaum? 50? 60? Schneller traue ich mich auch heute noch nicht, die Geschwindigkeit einzuschätzen. Ich kann mich noch genau erinnern, wie begeistert ich war, wie schnell sich die beiden Zwillingsräder an der Hinterachse drehten. Das hatte ich noch nie gesehen! Voll krass! Bisher waren Laster immer nur an mir vorbeigefahren. Dann, nach etwa 500 Meter rasanter Fahrt, ein lauter Knall! Ich erinnere mich nur noch, dass ich über den Lenker flog, links an einem Baum vorbei, schräg Richtung metertiefen Seitengraben. Das Nächste, was ich noch weiß, ist, wie ich aus dem Graben geklettert bin und mich gewundert hab, warum der so tief ist. Irgendwo liegt mein Roller. Ich heb ihn auf und sehe, dass der vordere Reifen total zerfleddert ist. Auf dem Nachhauseweg war meine einzige Sorge, dass meine Eltern schimpfen wegen dem Reifen. Ich hab den Roller abgestellt, bin rein und hab nur gesagt, dass der Reifen kaputt ist. Meine Eltern haben nie den Grund erfahren. Sie haben nicht geschimpft. Dass ich völlig verdreckt war durch die Landung im Graben, ist nicht groß aufgefallen. Es war damals eher die Regel, dass ich so nach Hause kam.

Was ist damals passiert? Ein Tretrollerreifen ist nicht für solche Geschwindigkeiten ausgelegt. Welches Kind heizt schon mit 60 Sachen über den Spielplatz? Und dann so eine lange Strecke? Und alt genug war der Roller ja auch schon. Den hat schon mein vier Jahre ältere Bruder gefahren. Vorderreifen platzen bedeutet immer Abflug. Aber wäre das nur zwei Meter eher oder später passiert, hätte ich unweigerlich mit dem ersten oder zweiten Baum Bekanntschaft gemacht. So bin ich aber zwischen zwei Bäumen mittendurch geflogen. Mit 60 km/h. Mit kurzer Hose und kurzem Hemd. Ohne Helm. Wer hat denn damals, 1960, im Osten, auf einem Dorf an einen Helm gedacht? Höchstens Motorradfahrer hatten einen, aber keine Fahrradfahrer, geschweige tretrollerbenutzende Sechsjährige. An die Landung kann ich mich nicht mehr erinnern. Nur, wie ich wieder aus dem Graben geklettert bin. Keine Verletzung, kein Bruch, keine Schramme. Ich bin danach noch ca. 700 m nach Hause gelaufen, den Roller unterm Arm.

Mein Bruder, der dieses Tagebuch auch liest, hat jetzt sicher Gänsehaut. Er kann sich bestimmt noch an den Rollerreifen erinnern, wusste aber auch bis jetzt nicht die Ursache. Das war auf der Straße nach Tirpersdorf, in Höhe der „Herrn’s Schei“. Losgefahren bin ich oben an der Bushaltestelle. Nur zwei Meter haben damals entschieden, dass du deinen Bruder heute noch hast.

Ein Jackpot, der mehr Wert ist als 60 Millionen, meine ich.

Mehr solcher Beispiele? Ich hab noch welche.

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