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eine Entdeckung

(241 x gelesen) im
Jan 11 2019

Freitag, 11.1.

 

Heute ist „Später“...

Heute der erste wirkliche Schnee. Zuckerguss überall. Fast wie in den Alpen. Nur wird die Schneehöhe dort in Metern gemessen und hier in Millimetern.

 

Ich habe gestern eine Entdeckung gemacht. Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben. Aber nun schreibe ich doch über etwas anders Anderes. Über meine Entdeckung.

Wer hat schon mal Werbung im Kasten gehabt, bei der ein Dr. med. Krawatzdibumbel oder so ähnlich (die Namen sind immer unaussprechlich, absolut einmalig und nie normal deutsch) von einer Entdeckung eines neuen Naturproduktes berichtet, welches Naturvölker schon Jahrhunderte benutzen und erstaunliche gesundheitliche Ergebnisse damit erzielen und ihr Leben damit um mindestens 50 Jahre verlängern. Danach wird auf etlichen Seiten beschrieben, welche Erfolge man damit auch im zivilisierten Europa haben kann, es wird aber nie das Produkt selbst genannt, sondern mehrfach dazu aufgefordert „Bestellen Sie hier weitere Informationen“ oder ähnlich, es werden etliche Geschenke angeboten, die man auf jeden Fall behalten kann usw. Doch bis zum Ende der Broschüre erfährt man rein gar nichts über das Produkt und wo man es bekommen kann. Dafür gibt es Erfahrungsberichte jeder Menge Kunden, die damit sensationelle Ergebnisse erzielt haben. Gelähmte, die danach Europameister beim Ironman wurden, Fast-Blinde, die man beim Militär als Scharfschütze gewinnen konnte usw. Und das alles ohne Schmerzen und völlig ohne Lebens- oder Ernährungsumstellung. Einfach nur nehmen und alles wird gut. Wie in aller Welt konnte man bisher nur ohne diese Entdeckung überleben!

Das Gleiche gibt es auch im Internet. Nach gefühlten 7 Metern scrollen und alle 20 cm ein „Bestellen-Sie-hier“-Button, bis man den Eindruck bekommt, dass sich die Antwort auf alle Fragen knapp unterhalb des Bildschirmes etwa im Erdkern befindet. Dabei wird dann häufig die erdradiuslange PDF eine Stunde lang noch vorgelesen...

Ich übertreibe. Zugegeben. Aber mittlerweile nervt solche Werbung nur noch und verschwindet im Papierkorb.

(Das Kleingedruckte zu diesen Ausführungen findet ihr am Ende dieses Eintrages.)

 

 

Ganz anders meine Erfahrung mit meiner Entdeckung gestern.

Die Chefschwester gab mir doch die 23 Seiten mit der Dialyse-Information. Die hab ich mir durchgelesen. Noch am Mittwoch, während Daisy neben mir schnurrte. In ca 30 Minuten. Und ich muss sagen, es ist eine höchst wertvolle, interessante, aufschlussreiche und verständliche Patienten-Information. Klar, bei Trockengewicht und der Berechnung des Wasserentzuges war ich etwas überfordert, aber ich hab das alles ja auch nur überflogen, hab diagonal gelesen. Doch wenn man sich Zeit dafür nimmt und Satz für Satz in Ruhe liest, wird man sicher auch hinter diese Geheimnisse kommen.

Nun wird sich mancher Leser fragen, was wohl auf den 23 Seiten erklärt wird. Doch ich kann hier nicht alles abschreiben. Will ich auch nicht. Brauch ich auch nicht. Die Frage stellte sich mir einfach: Wo hat die Schwester das her? Nach ihrer Aussage aus dem Internet. Nun ist aber das Internet groß. Riesengroß. Größer noch als das bisher erforschte Universum mit seinen Abermilliarden Lichtjahren Ausdehnung. 

Auf dem ersten Blatt stand „Dialysezentrum Landshut“. Das Universum wird kleiner. Ich geh ins Netz und setz mich in eine Rakete namens Google-Suche. Das Universum schrumpft weiter. Ich gebe „Dialysezentrum Landshut“ ein. Das Universum reduziert sich auf DIN A4-Größe. 10 Suchergebnisse plus 3 Werbeanzeigen. Ich klicke auf den ersten Eintrag. Das Universum wird nun in einem einzigen Punkt komprimiert: dialyse-la.de 

Die Seite öffnet sich. Mein erster Eindruck als Webmaster: nichts Besonderes und mit meinem kleinen iPhon 8 nicht unbedingt leicht zu händeln. Die Navigations-Button nicht optimal übersichtlich angeordnet. Aber das sind nur Nebensächlichkeiten. Ähnlich, ob bei einem Mercedes die Außenspiegel schwarz oder in Wagenfarbe lackiert sind.

Der Inhalt macht’s. Wenn man beim Menü auf „Downloads“ klickt, kommt im Untermenü der Button „Informationen“. Und wenn man den anklickt - kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus und macht wohl die gleiche sensationelle Entdeckung wie ich gestern. Da findet man das 23-Seiten-PDF „Tipps für Dialysepatienten“. Und noch etliches mehr: „Schulung Heimdialyse“ und „Schulung ausführlich“, beides nicht nur für Heimpatienten, sondern dort wird der Arbeitsablauf Punkt für Punkt beschrieben, Hygienevorschriften, wie Daisy funktioniert, worauf das Personal und worauf der Patient achten sollte. Dann gibt es eine PDF „Laborwerte bei Nierenkranken“. Endlich mal so erklärt, dass es auch ein Ex-Fernfahrer oder Webmaster versteht. Patientenorientiert. Dabei ist das alles von vier Fachärzten verfasst. 

Der Unterschied zu den oben erwähnten Werbungen ist universumweit. Sicher hat mancher beim Arztbesuch des Öfteren die Erfahrung gemacht, wenn man fragt, was man denn nun hat, dass der Arzt wie folgt oder ähnlich antwortet: „Das verstehen Sie nicht und werden das auch nicht verstehen, selbst wenn ich Ihnen das erklären würde. Ich bin der Arzt, Sie nur Patient. Also gebe ich mir gar keine Mühe, Ihnen das verständlich zu erklären, sondern benutze einige Fachbegriffe in Latein, um bei Ihnen wenigstens den Eindruck zu erwecken, dass ich weiß, was Ihnen fehlt und Sie beruhigt nach Hause gehen. Außerdem hab ich gar keine Zeit für Sie.“

 

Auf der Webseite völlig anders. Das würde sicher auch ein einigermaßen durchschnittsintelligenter 14-jähriger versehen. Deshalb gebe ich dieser Webseite zwei Daumen hoch (mehr hab ich leider nicht) und zehn von zehn erreichbaren Punkten. Viel meiner Zeit werde ich in diese und weitere PDF‘s dort investieren und mich mit der Materie vertraut machen, um so wesentlich sicherer, beruhigter und vertrauter mit meiner Behinderung umgehen zu können.

 

Und ich werde in Zukunft weiter nach solchen betroffenen-freundlichen Infos im Internet-Universum suchen. Versprochen!

 

(Hier nun das Kleingedruckte zu meiner Werbungs-Meinung: Sollte sich ein Dr. med. Soundsoundso auf den Schlips getreten fühlen, weil ich ihm Unlauterkeit unterstelle, dann möchte ich Folgendes zu Protokoll geben: Natürlich meine ich nicht Ihr Produkt und leugne auch nicht den Wahrheitsgehalt Ihrer Erklärungen. Es sind immer die Anderen. Sie sind lediglich das eine weiße Schaf unter allen schwarzen. Alles klar? Gut!)

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