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Sage niemals nie?

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Jan 07 2019

Montag, 7.1.

 

„Was liegt an dieses Jahr?“ fragte mich der Arzt gerade. Jahresvorausschau? Pläne? Umstellung auf Nachtdialyse? Anvisieren von Transplantation? Heimdialyse?

Wichtige Fragen, gravierende Entscheidungen. Hier die - vorläufigen - Antworten:

 

Du denkst ja mehr oder weniger ständig über solche und ähnliche Fragen nach. Du bist mehr oder weniger ständig und täglich damit konfrontiert. Darum sind die Antworten nicht spontan sondern doch relativ gut überlegt gewählt.

 

Pläne? Hab ich. Viele. Ich möchte mein Leben leben, so gut es mit Daisy an meiner Seite geht. Einschränkungen: ja, Resignation: nein. Ich möchte reisen. Truckerfeeling noch mal erleben. Städte und interessante Orte besuchen. Das Deutsche Museum in München zum Beispiel. Ich glaub, da brauch ich einige Tage dafür. Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt noch mal. Das Technik Museum Sinsheim. Berlin als Ganzes. Auch da brauch ich einige Tage dafür. Für eine ganze Woche Wellness-Hotel „Romantischer Winkel“ in Bad Sachsa/Harz. Wellness pur, super Hotel, super Service, super Wohlfühlzeit. Hab ich schon ausprobiert. Dann möchte ich meinen Garten genießen, ihn wohnlich und gemütlich gestalten, bunt, schön und ab und an zwischen den Dialyse-Terminen mit einem Gläschen Rotwein auf der Bank sitzen - und einfach nur genießen und entspannen.

Alles eine Frage der Organisation und Zusammenarbeit mit den Ärzten und den entsprechenden Urlaubs-Dialyse-Zentren vor Ort, wenn man wo länger verweilen möchte.

 

Nachtdialyse? Vielleicht später. Sie ist zwar die beste und gleichzeitig schonendste. Du hast eine ganze Nacht, um von allem Gift befreit zu werden, das geschieht gründlicher und langsamer und deshalb wird der Kreislauf weniger belastet. Und du kannst in den acht Stunden schlafen und hast danach den ganzen Tag für dich.

Aber: Es hat sich eine Regelmäßigkeit eingestellt. Taxizeit, Fahrstrecke, vier Stunden vormittags „beschäftigt“ zu sein, Heimfahrt, Mittag essen, ausruhen, Nachmittag frei und arbeiten. Der gesamte Tagesrhythmus hat sich mittlerweile, nach über 10 Wochen, so gut eingespielt, dass ich das vorerst nicht ändern möchte.

 

Transplantation? Das muss gut überlegt sein. Sehr gut. Sehr sehr gut. Abgesehen davon, dass ich automatisch auf der Warteliste stehe. 

Es kann gut gehen. Beispiele dafür gibt es genug. Dann hat man eine „neue“ Niere, die normal funktioniert bis zum Lebensende und Dialyse ade... Nie wieder Nadeln, nie wieder Abhängigkeit von Daisy, Freiheit. Eine erstrebenswerte Sache.

Es kann daneben gehen. Beispiele dafür gibt es genug. Dann hat man eine „neue“ Niere, die der Körper nicht akzeptiert und deshalb nicht funktionieren will. Komplikationen, Operationen, Krankenhausaufenthalte und am Ende doch wieder Daisy, Nadeln, Abhängigkeit. Keine erstrebenswerte Sache. 

Die Chancen stehen wohl bei 1:1. Unentschieden, wie im Universum bei Materie und Antimaterie. Ich tendiere im Moment zu „keine neue Niere“. Ein Nachteil? Manche Menschen meinen, das Leben hat nicht nur Nachteile, es hat auch schlechte Seiten. Von daher...

 

Heimdialyse? So wie hier in der Klinik? Hämodialyse, mit Daisy zu Hause?

Es gibt das Sprichwort „Sage niemals nie.“ Das trifft wohl auch hier zu. Aber eher unter großem Vorbehalt. Im Moment ist es nicht möglich, das hinauszuführen. Die Voraussetzungen dafür sind einfach nicht gegeben. Was da alles bedacht werden muss bei den Vorbereitungen. Das bedeutet so viel Eigenverantwortung, Planung, Kontrolle. Und ich wollte in meinem Leben endlich mal zur Ruhe kommen und mich nicht dauernd um alles kümmern. Daisy vorbereiten, Karbonat und Säure, Reinigung, Einstellungen,  Anschließen, Abschließen und gefühlte tausend andere Sachen. Mit einer Hand die Nadel entfernen und gleichzeitig die Einstichstelle mit derselben Hand abdrücken? Dazu braucht es zumindest eine zweite Person. Und diese Person muss auch den Mut haben, dir „weh zu tun“ und die Nadeln in deinen Arm stechen können, an exakt der richtigen Stelle. Das könnte man ja noch selber machen und das tun auch viele Heimpatienten, doch ich möchte das so nicht.

Vielleicht wäre es eine Option, wenn ich mit einer Dialyse-Schwester verheiratet wäre. Die kennt sich aus, würde das gut machen und ich wäre in sicheren Händen. Das Problem dabei ist nur - alle Beteiligten sind schon irgendwie vergeben... Also keine Heimdialyse.

 

Somit wären die Weichen für 2019 gestellt, das Leben läuft. Vielleicht wird ja auch in diesem Jahr alles anders. Anders anders als es letztes Jahr anders war.  In 358 Tagen werden wir sehen, wohin es mich gebracht hat. Aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit...

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