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Gras und Tomaten

(218 x gelesen) im
Dez 28 2018

Freitag, 28.12.

 

Heute könnte man für einige hier die „Stummschalt-App“ gebrauchen. Man kann sich kaum auf´s Schreiben konzentrieren. Bei den Fernsehern, die hier hängen, ist das einfacher. Jeder hat seine Kopfhörer auf und hört den Ton für sich. Und ich bin fein außen vor, seh nur das Bild, wenn ich das will, aber hör nix. Das ist bei den Schwafeltaschen jedoch schlecht möglich. Es sei denn, ich hab selber meine Kopfhörer am iPad.

Na gut, Arbeitskollegen kann man sich meist auch nicht aussuchen. Hier ist es genauso.

 

Zum Frühstück versuch ich es dann mal mit Gänsekeule, Klößen und Rotkraut. Als Weihnachtsabschluss. Ich hab nur Bedenken, dass der Service das heut nicht im Programm hat. Schade. Dann nehmen wir halt wieder Frischkäse- und Schinkenwurst-Brötchen.

 

Weihnachten ist nun unwiderruflich und schadlos vorbei. Es war eine ruhige und entspannte Zeit. Den einzigen Stress hat die Heizung verursacht, die pünktlich am 24. um 16 Uhr in den Streik getreten ist. Zum Glück kenne ich die schon besser als Daisy. Man muss sie zwar immer mit Sie ansprechen, sonst ist sie beleidigt, aber inzwischen weiß ich, wo ich sie wie streicheln und tätscheln muss, damit sie mir zu Willen ist. Gegen 20 Uhr war sie dann auch fein lieb und hat die Wohnung wieder aufgeheizt.

 

Picasso kam nun doch noch vorbei und hat meinen Arm schön bunt gemacht. Zwar weniger als das letzte mal, aber einige Unbeteiligte meinen, es sei doch ziemlich schlimm. Alles relativ...

Drei Haare auf dem Kopf sind relativ wenig; drei Haare in der Suppe dagegen relativ viel. So ist mein Arm eben relativ bunt. Keine Beschwerden, nur eine Schönheitsfrage. Aber das ist bei einem ohnehin schönen Mann kein Problem... Und die Super-Flower-Power-Elite-Schwester hat wieder super-flower-power-elite-schwester-mäßig die beiden Nadeln gesetzt. Fast wie ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk. Danke schön!

 

Ich wusste es: keine Gänsekeule...... Dann eben nicht. Vielleicht geh ich am Wochenende doch noch in die „Eule“, dem ältesten Wirtshaus in Laubach, gleich bei mir nebenan. Ich kann von meinem Fenster aus direkt in die urige Gaststube und auf das Salatbuffet schauen. Die bieten zur Weihnachtszeit Gänsekeule noch an. Übrigens ein sehr empfehlenswertes Steakhaus mit super leckeren Steaks. Jeder Besuch dort lohnt sich und bleibt lange in Erinnerung.

 

Besuch in der „Eule“ vielleicht auch als Krönung für den Abschluss des Kaufvertrages für mein Gartengrundstück? Statt Pächter bin ich nun nämlich Besitzer. Auch als Dialyse-Patient darf man solche Pläne und Träume verwirklichen. Das Leben geht ja weiter. Und die Rente steht auch bald ins Haus. Jetzt stell dir einen alten Mann mit grauen Haaren und grauem Bart vor, der im Garten werkelt oder gemütlich auf der Bank sitzt mit einem Gläschen Rotwein neben sich und zuschaut, wie Gras, Unkraut und Tomaten wachsen. Dann kommt das Taxi und holt ihn zur Dialyse ab... 

 

Das passt doch, oder?

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